| Interview |
Da es fast eine Schandtat wäre, als Death-Metaller den legendären Paul Speckmann nicht interviewt zu haben, habe ich dies kurzerhand gemacht. Prinzipiell ging es um seine neueste Veröffentlichugen "Masterpieces", wobei wir doch recht schnell vom Thema abgekommen sind. Viel Spaß beim Lesen!
Deadfall: Hey Paul, es ist eine Freude für mich, mit dir über deine Karriere zu sprechen. Um das Interview zu beginnen, gebe unseren Lesern doch einen kleinen Überblick darüber, was du in den letzten Jahren getan hast.
Paul: Nun, ich bin sozusagen seit dem siebten Tag beschäftigt, bis heute habe ich nie aufgehört, meinen Traum zu verwirklichen. Es traten selbstverständlich viele Probleme auf, seit ich 1993 von Nuclear Blast rausgeschmissen wurde. Sie hassten mich und ich wurde unverzüglich rausgeschmissen. Es war ein wirklicher sehr harter Kampf, damit ich damals über Wasser bleiben konnte. Nebenbei arrangierte ich einige US-Touren, gefolgt von einer Mexiko sowie Süd-Amerika Tour, im Jahr 1998 konnte ich mir dann endlich wieder einen Vertrag mit den jetzt nicht mehr existierenden Pavement Records sichern, ein weiteres Label, das für den Arsch war. Aber immerhin schafften Pavement und die europäischen System Shock, dass Musik in meinem Leben wieder wichtiger wurde. Auch wenn viele Line-Up Veränderungen und andere Probleme weiterhin da waren, hörte ich nie auf. Ich traf schlussendlich auf die deutschen Bruchstein Records, nach einer Show in Torgau, sie baten mir einen Auftritt auf dem Fuck The Commerce an – das veränderte mein Leben. Ich wurde nebenher zum Tour-Manager und Merchandiser, und schwenke nun zwischen diesen beiden Dingen, wenn gerade nichts mit Master, Festivals oder Touren ansteht.
Deadfall: Deine neuste Scheibe „Masterpieces“ ist, wie der Name schon sagt, eine Art Best-Of Compilation, die deine persönlichen Lieblingsstücke beinhaltet. Was würdest du sagen, ist ein guterGrund für Leute, gerade diese Best-Of zu kaufen? Ich meine, du kennst sicherlich die Gerüchte über diese ganze Best.Of Geschichte…
Paul: Nun, es ist eine CD mit meinen persönlichen Favoriten, Und ehrlich gesagt, habe ich da eine andere Meinung wie du, da ich mir Best-Of’s kaufe, um nur das Beste zu bekommen, die „schlechten“ Sachen werden schließlich immer weg gelassen. Ich werde bald ein Box-Set veröffentlichen, da ich auf „Masterpieces“ nicht all meine Favoriten involvieren konnte. Auf „Masterpieces“ gibt’s es ein paar originale Sachen von mir und meinem Drummer, welche nicht auf dem Scott Burns Remix von 1990 drauf waren. Des Weiteren gibt es noch einige Lieder vom letzten Jahr, um den Fans einen kleinen Vorgeschmack auf meine neue CD zu geben, die auch noch in diesem Jahr erscheinen wird. Für mich war es auch wichtig, den Fans die älteren Sachen näher zu bringen, da es sehr schwierig ist, diese noch aufzutreiben. Also ist „Masterpieces für echte Hardcore-Fans auch ein „Must-Have“.
Review
Deadfall: Wenn du ein paar Jahre in die Vergangenheit blickst, eventuell bis zum Beginn deiner Karriere, welche Abschnitte waren die Besten für Dich? Gab es irgendwelche Ereignisse in deinem Leben, die deine Denkensweise oder die Art, mit der du Musik machst, verändert haben?
Paul: Die Tour zusammen mit Paradise Lost war absolut klasse, genauso wie die Süd-Amerika Tour danach. Ich werde ein Buch schreiben, das „Speckmann – Surviving The Underground“ heissen und all meine Geschichten und Erfahrungen beinhalten wird. An dieser Stelle wären es viel zu viele, um sie aufzuzählen. Das Leben im Allgemeinen bestimmt, wie ich meine Lyrics und Musik schreibe. Jeden Tag passieren historische Dinge auf der Welt und versuche diese, genauso wie meine eigenen Erfahrungen, in meine Musik mit einfließen zu lassen. Viele erfolgreiche Bands singen über Drachen etc…und ich beschäftige mich mit dem Leben selbst und muss immer noch kämpfen, um die Dinge besser werden zu lassen. In meinen Augen ist es aber besser, zu sich selbst ehrlich zu sein.
Deadfall: „Masterpieces“ beinhaltet ja Stücke von Bands, in welchen du gespielt hast. Wenn ich aber auf die Tracks und Bands achte, fehlt mir da eine Band – Krabathor. Warum gibt es keine Krabathor Lieder auf dieser Scheiblette?
Paul: Krabathor war eigentlich nie meine Band, ich war nicht mehr als eine Aushilfe. Ich versuchte die „Unfortunatley Dead“ CD mit Christopher zu schreiben und viele Leute hassten sie. Ich habe zu „Dissuade Truth“ lediglich einige Texte geschrieben, genauso wie für die „Silence Will Cover Noise“. Außerdem habe ich noch einen Text für einen anderen Song geschrieben, an den ich mich momentan nicht erinnern kann…Ich würde sagen, dass diese Songs die Besten der CD’s sind, wie gesagt, hielt ich es aber nicht für nötig, diese auf „Masterpieces“ zu packen. Ich schaffte es immerhin, ein paar Songs von Martyr, einem Projekt mit Skull und Christopher zu machen, bevor ich gefragt wurde, ob ich Krabathor beitreten möchte.
Deadfall: Du warst in Deathstrike, Solutions, Abomination, Martyr und natürlich, zu guter Letzt, Master. Wie hast du es geschafft, immer zwischen diesen Projekten zu wechseln?
Paul: Ich war Gründer von Deathstrike und schrieb den ersten Song „The Truth“ in meinem Keller. Solutions war ein Projekt, dass 1999 von System Shock unterstützt wurde. Als dieses Projekt das Licht der Welt erblickte, war ich gerade mit Freunden in Holland Abomination raubte mir viel Zeit, da wiederum meistens mit dem Schreiben der Songs bzw. Lyrics beschäftigt war. Trotzdem war dieses Death/Thrash-Projekt sehr gelungen.
Die Bands waren eigentlich alle über verschiedene Zeitperioden verteilt, also hatte ich nie zwei Bands zur gleichen Zeit. Wie gesagt, mein Buch wird auch auf diese Fragen eingehen, ständig dieselben Fragen zu beantworten nervt eben von Zeit zu Zeit.
Deadfall: Wie ist deine Einstellung gegenüber dem immer größer werdenden Anteil an (Brutal) Death-Metal Bands aus den Staaten und was glaubst du, haben die europäischen DM Bands, was die Amerikanischen nicht haben?
Paul: Ich habe, ehrlich gesagt, kaum Death-Metal Bands aus den Staaten gehört. Heutzutage ist jedoch jede US-Death-Metal Band eine Klon einer Berühmtheit. Was die europäischen Bands haben? Freiheit!!! Europa ist definitiv das neue „Land“ der unbegrenzten Möglichkeiten. Glücklicherweise lebe ich hier, das macht es mir möglich, neue Bands zu entdecken. Die Szene hier in Europa scheint von Jahr zu Jahr vor neuer Bands und Releases geradezu explodieren. Die stagnierten Staaten zu verlassen war wohl die beste Entscheidung meines Lebens. Das Leben hier ist so viel angenehmer, da die Szene sich selbst am Leben erhält. Alleine in der Tschechien Republik gibt es, lass mich nicht lügen, um die 50 Festivals im Sommer.
Deadfall: Wenn über den Underground gesprochen wird, erscheint dein Name relativ oft, obwohl viele Menschen dich nicht kennen werden. Hast du jemals versucht, den Underground zu verlassen? Was fasziniert dich so am Underground?
Paul: Der Underground, in dem ich nun schon so lange überlebe, unterstützt die Musik. Geld oder Berühmtheit interessiert hier niemanden. Ich habe Angst davor, meine Musik und meine Texte öffentlich an den Mann zu bringen. Wenn es um reich werden gehen würde, hätte ich wohl schon lange aufgegeben. Ich bekomme gerade genug, um zu überleben und glücklich meine Musik zu machen. In meinen Augen ist das Merchandise von Master der einzig wahre Support. Die Menschen im Underground unterstützten mich und meine Musik, irgendwas muss ich also gar nicht so falsch machen.
Deadfall: Wenn du nun einen Blick in die Zukunft wirfst, denkst du, dass dieses ganze Trallala um den Death-Metal irgendwann abschlaffen wird, oder glaubst du, dass es konstant so weitergehen wird?
Paul: Death-Metal war jahrelang populär, und solange es Menschen gibt, die Probleme haben, oder Meinungsverschiedenheiten mit der Regierung, werden sie einen Weg suchen, um Ballast abzulassen, genau wie ich es tat/tue. Diese aggressive Art des Metals ist eben ihr Ventil dafür…
Deadfall: Ich denke, du bist lang genug in diesem Business, um mir die nächste Frage beantworten zu können. Wie genau kann man sich dieses Business eigentlich vorstellen? Überwiegen die guten oder die schlechten Aspekte?
Paul: Dieses Business ist voll von korrupten Arschlöchern, die den Musikern das Geld aus der Tasche ziehen und sich davon ein schönes Leben machen. Mir ist das auch immer wieder passiert, doch aus Liebe zur Musik habe ich mich ständig wieder aufgerappelt. Ich war bei einem der größten Metal-Label unter Vertrag und mittlerweile beachten sie mich kaum noch. Aber schauen wir der Wahrheit ins Gesicht, das Geld, das ich verdiente, kam größtenteils durch Master und Abomination. Dieses Geld kassierte natürlich das Label, und irgendwann war Master in Vergessenheit geraten. Nur die Starken überleben in diesem Business, das ich stark bin, habe ich oft genug bewiesen.
Deadfall: Da du ja sicherlich auch Death-Metal hörst: Was sind deine Favoriten?
Paul: Death, Carcass und Possessed.
Deadfall: Wie lange möchtest du noch weiter Musik machen? Kannst du dir vorstellen, in einer Band aufhören zu spielen um eventuell Manager oder Ähnliches zu werden?
Paul: Ich habe mit diesen Sachen schon lange begonnen, werde aber so lange Musik machen, bis mir die Ideen ausgehen. Master werden im Herbst diesen Jahres ein neues Album namens „Four More Years Of Terror“ unter Twilight veröffentlichen.
Deadfall: Die letzte Frage kommt von unserem Chef höchstpersönlich. Er will wissen, ob du vorhast, deinen Bart irgendwann mal abzurasieren? :D
Paul: Meine Frau hat zu mir schon gesagt, dass ich niemals ohne diesen Bart nach Hause kommen soll. Du siehst also, dass wunderschöne Frauen in Europa diesen Bart lieben! In Amerika sind die Frauen vor mir immer weg gerannt, aber das ist erneut das mit der Freiheit. Die amerikanischen Frauen sind alle hirnverbrannt und glauben, dass es besser ist, wenn sie als Klone voneinander herumlaufen. Ein lächerlicher Football-Spieler ist interessanter als ein Hippie. Das ist keine Freiheit, Entscheidungen sind wichtig im Leben und gerade diese kann niemand für dich machen, außer du selbst.
Deadfall: Vielen Dank für das Beantworten der Fragen, Paul. Alles Gute für die Zukunft, stay Metal! Die letzten Worte gehören dir!
Paul: Vielen Dank für die Unterstützung, ich weiß das wirklich zu schätzen. Ich muss auch wirklich sagen, dass deine Fragen super waren! (Anm. d. Red: Oh mein Gott, so viele Lorbeeren). Jeder, der mehr Interesse für Speckmann oder meine anderen Projekte hat, kann gerne meine Homepage besuchen oder mir eine Mail unter speckmannpaul@hotmail.com schreiben. Für gute Gespräche über Metal bin ich immer zu haben.
|
| Interview Details |
Official Homepage |
Lineup:
Paul Speckmann - Vocals, Bass
|
Interviewed by: d00m
Interview Date: 23.8.2005
|
|