Nachdem MIDWINTER mit ihrem letztem Album stolze 9 Punkte bei uns abkassiert hat und wir auch ein ausführliches Interview mit ihnen führen durften, landet nun - drei Jahre später - der neue Silberling auf meinem Schreibtisch.
Noch immer spielen sie eine interessante Musik-Kombination, die sie selber als "Epic und Melodic Black Heavy Metal" beschreiben. Düstere Black Metal Stimmung verzahnt mit groovendem Heavy Metal ergeben eine Mischung, deren Zauber man sich kaum entziehen kann.
Nach dem Intro "Between Wisdom..." geht es gleich zur Sache. Nach einem episch, düster klingendem Songintro bewegen wir uns bei "No Gods Have Built My Sky" in groovigen Metalgefilden. Der Gesang wechselt von clean zu ein wenig gekeife zu growling und wieder zurück. Auch wechseln schnelle und langsame Parts sich ab. Doch immer fühlt man eine düstere Stimmung, die einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Falls die Stimmung das dann doch nicht schafft, dann groovt es daher, dass es eine Freude ist.
Weiter geht es mit "Of Troll and Thurs". Zu Beginn hört man Schlachtenlärm, doch dann steigt die Gitarre ein und entführt einen wieder zu düsteren Gedanken. Gegen Ende kommt nochmal Schlachtengeräusche auf, die von stampfenden, an marschierende Soldaten erinnernde, Instrumentalvariationen eingeleitet werden. Ein wenig könnte man das auch im Vikingmetal einordnen.
Während bisher hauptsächlich der Black Metal Anteil überwog, kommt mit "Song Inside" (was ein Name) nun das Schwere Metal besser zur Geltung. Das ganze klingt auch gleich ein wenig "lustiger" und verdammt groovig. Auch wenn der Titel es nicht heraus"schreit" ist dies mehr oder weniger eine MIDWINTER Hymne. Wozu sonst kann man beim Refrain "Midwinter, Midwinter" mit"gröhlen"? Eigentlich gröhlt der Sänger nicht, sondern keift ein wenig. Was natürlich zum "ruhigen" gegroove schon einen (schönen) Kontrast darstellt.
"Monument Of Pain" ist dann ein ganz ruhiges Stück. Man kann es vielleicht als eine Ballade beschreiben, wobei die allgegenwärtige, düstere Stimmung aufrecht erhalten wird. Also kuscheln ist nicht ;) Einfach ein ruhiges Stück, das mal die Nackenmuskeln entspannen kann.
Nun wird es aber wieder schneller! "Bleeding Black Fire" bleibt erstmal großteils auf der Waagenseite des Heavy Metals, hat aber auch eindeutig Teile, bei denen das Schwarzmetal überwiegt. Dies sind dann interessanterweise eher die ruhigeren Stellen. Das Lied klingt mit den Geräuschen des blutenden, schwarzen Feuers und einem Brüllen(?) aus.
Es wird nun langsam wieder Zeit, etwas dunkler zu werden und "Thorns Of Ice" tut uns diesen Gefallen. Schon fast klassischer, epischer Black Metal verwöhnt unsere Gehörgänge. Das Lied gab es schon auf einem ihrer Demos, allerdings wird hier auf Deutsch gesungen. Auch sonst ist das Lied doch etwas völlig anderes, als damals. Viel klarer, heller und natürlich besser produziert.
Als nächstes kommt mit "Dragonrock" ein Lied, das etwas aus dem Rahmen fällt. Irgendwie lustig, mit Keyboard-Flöte und High-Speed ist es DER Partysong auf dem Album. Hat schon fast Humppa Qualitäten! This is Dragonrock :)
Nach der Geschwindigkeit kommt nun ein wenig Ruhe: "Where Steel Is Born"... zumindest kurz könnte man den Gedanken bekommen; doch dann packen MIDWINTER ihren Ureigenen Misch aus Heavy und Black Metal aus! Dazwischen auch gerne episch, melodisch, nur um wieder auf der Überholspur uns die Gitarrenriffs entgegen zu schleudern. Ähnlich dem zweiten Song wird auch hier der etwas längere Song genutzt, um sämtliche Aspekte ihrer Musik einfliessen zu lassen.
Ähnliches lässt sich dann auch bei "Blessed With Wings Of Madness" sagen. Wobei hier eher die langsamere Schiene gefahren wird. Die Strophen werden hier allerdings nicht gesungen, sondern sind eher ein Sprechgesang. Teilweise könnte man auch eine Doom Metal Band vermuten. Auch ein wenig choraler Gesang erwarten den Hörer.
Weiter geht es ruhig mit "Alone With My Sorrow". Ein ziemliches "Depri"-Stück. Düster, getragen, wieder eher Sprechen, statt Singen. Es ist Atmosphärisch doch sehr geil, doch vermute ich es mal nicht als klassisches Livestück; dazu tut es zu wenig Stimmung herüberbringen und passt nicht so ins Gefüge.
Das letzte Lied "Pet Sematary" ist kein Rechtschreibfehler, sondern eine Anspielung auf "Friedhof der Kuscheltiere" (imdb.com). Musikalisch sind wir wieder recht weit im Heavy Metal und trotz des "ernsten" Themas verbreitet das Lied irgendwie Unterhaltung. Schöner Abschluss für ein schönes Album. "... and Lunacy" ist nur noch ein recht merkwürdiger Ausklang mit dem Geräusch von Flügelschlägen(?).
Da ich doch relativ viel geschrieben habe, mache ich für die Lesefaulen die Zusammenfassung ganz schnell:
Kaufen Kaufen Kaufen!!!
Anspieltips: Song Inside, Dragonrock, Where Steel Is Born |