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 Wacken Open Air 2006 - Festival [Comments] |
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Anfang August blickte die Metalwelt wieder gen Norden. Einer der größten Metal Events in Europa lockte wieder einige zehntausende Metalheads aus aller Welt in das beschauliche Dörfchen Wacken. Bei dem diesjährigen Lineup war es auch kein Wunder dass das Festival dieses Jahr ausverkauft war, was einen Zuschauerzahl von über 60.000 Metallern ergab. Vertreten waren Szenegrößen wie: Motörhead, Children Of Bodom, Celtic Frost, Empreor und viele viele mehr. Auch Petrus meinte es dieses Jahr gut mit den Metal Maniacs und bescherte, abgesehen von ein paar kleinen Regenschauern am Mittwoch, durchgehend herrliches Sommerwetter.
Wir von Deadfall waren natürlich für Euch vor Ort um das Geschehen live mitzuerleben und Euch davon zu berichten. In diesem Sinne: RAIN OR SHINE!
Der Donnerstag begann für mich mit großem Staunen - bereits in den letzten beiden Jahren hatte ich im hohen Norden die Gelegenheit genutzt, die (zumindest für mich und auch damals 30.000 bis 45.000 weitere) herrlichste Musik dieser Welt zu feiern.
FASTER INFERNO und VICTORY waren bei mir noch entfallen, da man natürlich erstmal das Wiedersehen mit etlichen alten Freunden, die man leider doch nur das eine Mal im Jahr in Wacken sieht, feiern muss. Pünktlich zu TRANSILVANIAN BEAT CLUB machte ich mich jedoch auf zum Partyzelt, um das Festival gemütlich mit erheiternden Texten und vielleicht dem ein oder anderen Schlückchen zu beginnen. Doch dieser Plan wurde schnell ersatzlos gestrichen - das Zelt war voll bis auf den letzten Platz, es war mir nicht möglich, auch nur den geringsten Schritt hinein zu machen, auch draußen sammelte sich schon die Menge, die allerdings eher die MICHAEL SCHENKER GROUP hören konnte als den TRANSILVANIAN BEAT CLUB.
Michael Schenker Group
"Was solls, wird schon nicht das ganze Festival so sein" dachte ich mir noch zu diesem Moment und begab mich wohl oder übel vor die True Metal Stage, um mir zumindest einige Songs der MICHAEL SCHENKER GROUP anzusehen. Groß ist sie nicht, die Menge, die sich da den Gitarrenvirtuosen Michael Schenker ansehen möchte – denn für die große Massen ist diese Musik einfach nicht gemacht. Tolle Soli, Hits aus UFO-Zeiten wie „Doctor Doctor“, aber der Funke will nicht überspringen. Die Fans der Band feiern ihren Gitarrenhelden, ansonsten eine gute Show mit tollem Sound, richtig mitreißen kann solche Musik auf einem Festival aber leider nur schlecht.
[JG]
Scorpions
Die wohl älteste Band hatte ihren ersten Auftritt auf dem Wacken am Donnerstag Abend. 40 Jahre Bandgeschichte sollten dem Wackener Publikum präsentiert werden und das ließen sich offensichtlich nur wenige entgehen, denn es war rappelvoll.
3 Stunden lang folgte ein Klassiker auf den anderen und auch ein paar ehemalige Bandmitglieder gaben sich die Ehre, Ulrich Roth und Michael Schenker an den Klampfen und Herman Rarebell an den Drums, wo er auch gleich mal ein Mehrminütiges Solo hinlegte. Songs wie „The Zoo“, „Coming Home“, „Bas Boys Running Wild“ oder „Loving You Sunday Morning” heizen das Publikum toll an, bis auch schon Uli John Roth bei Songs wie “Speedys Coming”, “Tease Me, Please Me” und “We Burn The Sky” sein Können an der Klampfe zeigen kann. Vom neuen Album gibt es „Love Em Or Leave Em“, Michael Schenker darf sich bei „Coast To Coast“ in Sachen Soli tüchtig austoben, und „Holiday“, „Blackout“ (mit anschließendem mehrminütigem Drum-Solo von Hermann Rarebell) oder „No One Like You“ rauben zumindest den Fans der Band die letzten Kräfte.
Als es mit „Big City Nights“ und „Cant Get Enough“ dem Ende zugeht stehen schon fünf Gitarristen (neben der Stammbesetzung und den beiden genannten auch noch Michaels Sohn Tyson Schenker) auf der Bühne bis diese sich verdunkelte – doch kein Gedanke an ein Ende, unter dem Drum-Podest öffnete sich ein Tor, aus dem ein Metall-Skorpion sich einen Weg bahnte. Damit leitete man dann auch den letzten Song des Abends, den Hit „Rock You Like A Hurricane“, ein, der nochmal lautstark von Band und Fans abgefeiert wurde. Einen Klassiker ließ man übrigens aus, aber sein wir doch mal ehrlich...“Winds Of Change“ ist einfach eins ihrer schlechtesten Lieder.
[AO], [JG]
Wintersun
Die Finnen um Jari Mäenpäa durften sich schon am Freitag Mittag auf der True Metal Stage die Ehre geben, doch auch zu dieser unchristlichen Zeit hatte sich der Platz vor der Bühne ganz gut gefüllt und so zeigten Wintersun, in eiskaltes, blauen Licht gehüllt, ihren gitarren- und keyboardlastigen Mix aus Folk, Death und Black Metal-Elementen. Mir persönlich poste Jari dabei zu Beginn etwas viel herum, aber jedem sei das Seine gegönnt.
Musikalisch gibt es leider nichts Neues seit den letzten Festivalgigs – mit Ausnahme von „Death And The Healing“ und „Sadness And Hate“, den beiden ruhigsten Songs des Debutalbums werden alle anderen Songs des bisher einzigen Albums „Wintersun“ gespielt, doch werden „Battle Against Time“, „Beyond The Dark Sun“, „Winter Madness“ und das starke „Sleeping Stars“ von den Fans bestens aufgenommen und mitgesungen.

Leider konnten die Finnen scheinbar immer noch keinen Keyboarder auftreiben, weshalb diese Parts wie schon seit langem vom Band kamen. Hier ist es definitiv Zeit für einen Zuwachs wenn die Band über das bisher erreichte hinaus will.
Als störend empfunden habe ich auch das schon zum zweiten Mal in zwei Wochen (ich denke da an das Earthshaker Festival 14 Tage vorher) viel zu leise Mikro Jaris, um mitsingen zu können musste man die Band schon kennen, ansonsten konnte man nur erahnen was Jari dort sang.
[BT], [JG]
Legion Of The Damned
Als nächstes sind dann auch schon LEGION OF THE DAMNED dran.
Auf dem Party.San 2005 hatten sie noch als OCCULT am frühen Nachmittag gespielt und nur wenige Interessierte vor die Bühne geholt. Seit dem Imagewechsel, der auch an den neuen Namen LEGION OF THE DAMNED gebunden ist, wird diese Band in wohl jedem Bericht der Metalpresse angepriesen als gäbe es nichts besseres.
Mir präsentiert sich hier eine gute Death/Thrash-Band, aber eben auch nicht mehr als „nur“ gut. SLAYER-ähnliche Riffs, die Kreischstimme von Maurice Swinkels, aber irgendwie nicht genug Eigenständigkeit – der Band fehlt weiterhin etwas besonderes.

Den Fans der Band ist es egal, doch angesichts der großen Hitze harren nur wenige Zuschauer vor der Bühne aus, man spart sich die Kräfte für die Acts des Abends.
Der Gig endet mit dem wohl noch besten Song der Band, „Legion Of The Damned“, das dann auch am ehesten von den Anwesenden mitgesungen wird und mich als einziges Lied einigermaßen überzeugen kann. Das Potential wäre da, mal sehen was aus dieser Band noch wird.
[JG]
Six Feet Under
Wenn man sich fragt warum Corpse abgesagt haben, naja vieleicht wollte ein gewisser Fisher SFU nicht hören. Da hat er aber leider etwas verpasst, denn Six Feet Under bestritten den Gig als wären die Zombies hinter ihnen her. Barnes grunzte sich durchs Set das es nur so dröhnte und die Menge ging auch ebenso ab. Der Sound war zwar nicht so das wahre, die Gitarren kaum hörbar, aber SIX FEET UNDER walzten einmal mehr einfach alles platt was in der Nähe stand.

Natürlich wurde auch die Coverversion von "T.N.T" gezockt, immerhin ist es leider ja auch einer der "bekanntesten" Six Feet Under Songs. Mich freute aber besonders "Revenge Of The Zombies", 1A Geknüppel wobei man am liebsten Schmidts Katze fressen könnte. Dazu gibt’s Songs wie „The Day The Dead Walked“, „Torture Killer“, “Victim Of The Paranoid”, “Feasting On The Blood Of The Insane” – die Menge bangt als wäre sie im Rausch (was sie teilweise ja auch war ;-) ). Dazu dann noch ältere Songs wie „Silent Violence“ oder das erwähnte „Revenge Of The Zombie“, neueren Stoff wie „Shadow Of The Reaper“ und „Deathklaat“, zur Überraschung einiger gibts auch noch „Burning Blood“ und „War Machine“, was doch eher selten gespielt wird. Zum Abschluss dann wie gesagt „TNT“, und ein Gig, der wieder einmal alles platt walzte. Auch wenn es bessere Bands im Death Metal gibt, Six Feet Under sind immer wieder eine willkommene Band.
[BT], [JG]

Nevermore
Anschließend betreten NEVERMORE die True Metal Stage, und können trotz der großen Hitze begeistern. Jeff Loomis und Steve Smyth begeistern einmal mehr als großartiges Gitarrenduo, Jim Sheppard und Van Williams unterlegen als Rythmusfraktion toll den thrashlastigen Power Metal von NEVERMORE – und Sänger Warrel Dane ist eh über jeden Zweifel erhaben. Songs wie „I, Voyager“, „Dead Heart In A Dead World“, „Born“, „Enemies Of Reality“ oder „Nacrosynthesis“ werden noch jedem mehr oder weniger geneigtem Hörer gefallen, und der klare, tolle Sound tat sein übriges. Die Gitarren klangen mindestens genauso gut, eigentlich noch besser, als bei den Studioversionen, und die gute Stimmung der Band, speziell ihres Sängers, sorgte noch mehr für Erschöpfung bei den Fans. Der Höhepunkt des Gigs war jedenfalls das Titelstück des aktuellen Albums „This Godless Endeavour“, Erschöpfung und Begeisterung gingen Hand in Hand – ein toller Gig.
[JG]
Opeth
Als nächstes fanden sich dann OPETH auf der Black Stage ein, um ihren progressiven Doom Metal dem Publikum zu präsentieren. Wenn ich da an den legendären (da bisher einzigen) BLOODBATH-Gig im Vorjahr zurückdenke erinnere ich mich an einen bei seinen Ansagen meist schüchternen, zurückhaltenden Mikael Akerfeldt, der sich allerdings im großen Kontrast zu diesen Ansagen während den Songs die Seele aus dem Leib brüllte.
Mit OPETH ging Mikael dann wesentlich selbstbewusster zur Sache und führte mit seinem allseits bekannten trockenen Humor durch das Set. Dieses allerdings wollte mir so recht nicht gefallen, worin ich gerade von vielen Fans der Band bestätigt wurde – kein Song von der „Still Life“, und, vor allem, das Sonnenlicht schadete dem Gig von OPETH beträchtlich. Ein Funken springt jedenfalls bei diesem Licht nicht über, noch dazu das verzetteln in instrumentalen Stücken – eine bessere Setlist und ein Auftritt zu späterer Stunde wäre da wohl die bessere Entscheidung gewesen.
[JG]
In Extremo
Schade das In Extremo zu dieser frühen Stunde spielen mussten, denn ihre Bühnenshow kommt meist im Dunkeln am Besten rüber. Dieser Gig enttäuschte mich aber auch so, da ich im Dezember 2005 bereits die beinahe haargenau gleiche Show gesehen hatte. Ob es nun die Pyros im Steuerrad waren (die im Sonnenschein schon mal gar nicht zur Geltung kamen) oder einfach nur der fehlende Funke. Zwar wurden mit „Spielmannsfluch“, „Werd Ich Am Galgen Hochgezogen“ einige alte Songs gebildet, trotzdem beschränkte sich der größte Teils des dargebotenen Materials auf die letzten beiden Alben.

Wohl eine Freude für die jüngeren Fans, aber da wir uns immerhin in Wacken befanden und nicht bei Rock Am Ring hätte man ruhig eine andere Setlist spielen können.
Für den geneigten Fan jedoch gab es dann außer den bereits genannten Songs auch noch „Wind“, Vollmond“, „Omnia Sol Temperat“ und „Erdbeermund“ – danach war dann aber auch Schluss mit älteren Songs und es ging an das neue Album „Mein Rasend Herz“, wovon unter anderem „Horizont“, „Macht und Dummheit“, „Rasend Herz“ und die fragwürdige Single „Nur Ihr Allein“ dargeboten werden.
Die Menge wogte hin und her, wodurch mancher gestandene Metaller sich auf dem Rücken liegend wiederfand und um sein Heil fürchten musste. Dennoch überstanden wohl alle mehr oder weniger schadlos, und zum Abschluss durften sich auch die Fans der alten Stücke am tollen „Villeman Og Magnhild“ vom Frühwerk „Weckt Die Toten“ freuen.
[BT]

Vreid
Vreid auf der W.E.T.-Stage – ich wollte meinen Augen nicht trauen. Nachdem am 14. Januar 2004 mit dem tragischen Tod von Terje „Valfar Bakken“ das Ende der legendären Windir gekommen war beschloss der Rest der Band nach einiger Trauerzeit, sich von nun an eher de Black Metal zuzuwenden und unter dem Namen Vreid weiterzumachen. Und auch wenn das ganze mit Windir nichts mehr zu tun hat, die restlichen Mitglieder dieser Metallegende nicht zumindest auf der Party Stage spielen zu lassen ist für mich eine Frechheit.

Wie auch immer, pünktlich um 19.15 betraten Vreid die Bühne im brechend vollen Zelt und konnten von Anfang an begeistern. Ob „Da Draumen Rakna“, „Hengebjörki“, „Evig Pine“ (Valfar gewidmet) oder zum Abschluss „Pitch Black“, die Fans im Zelt bangten und moshten was das Zeug hielt. Jeder Song, ob vom Debut „Kraft“ oder der Folgeplatte „Pitch Black Brigade“, wurde begeistert umjubelt und gefeiert, und die Band gab es mit Spielfreude pur zurück. Durch den Stilwechsel entfällt auch jeglicher Vergleich zu den eh göttlichen Windir, und so kann man den Gig Vreids durch und durch genießen.
[JG]
Korpiklaani

Zweimal hatte ich sie bereits verpaßt, einmal aus eigener Dummheit, während beim anderen Mal die Band mehr oder weniger spontan abgesagt hatte. Aber diesmal, diesmal würde ich sie sehen, trotz heißer Mittagssonne, die mir mein Haupthaar anzusengen schien!
Allerdings war ich wohl nicht der einzige, der sich auf die Finnen freute, und so musste ich mich mit einem Platz im hinteren Teil der Menge begnügen. Was so viel bedeutet, als dass wir nicht nur hinten stehen mussten, sondern weit hinten! Das große Manko – hier hinten waren Korpiklaani (auf der Party Stage) viel zu leise und Carnivore (auf der Black Metal Stage) viel zu laut – das hatte ich mir andersrum vorgestellt.

Die Band hatte offensichtlich trotzdem ihren Spaß, schließlich konnten die vorderen Reihen ja auch fröhlich mittanzen, während unsereins versuchte zu erkennen, welches Lied der charismatische Sechser gerade spielte.
Wenn man sich die Stimmung ansieht, die inzwischen bei Livegigs von Korpiklaani herrscht, liegen diese inzwischen sicherlich auf einer Linie mit Finntroll – vielleicht bekommen sie ja nächstes Mal eine gnädigere (später, länger, größere Bühne!) Auftrittszeit.
[AO]
Children Of Bodom

Children Of Bodom erleben momentan einen enormen Hype, der natürlich auch sehr viele “Kiddies” mit sich zieht. Aber auch wenn ich mich als „untrue“ oute , alle sechs Bodom-Gigs, die ich bisher gesehen habe, waren jeder für sich unschlagbar. Da scheiß ich mal auf Hype oder Untrue und zieh mir ne Stunde 100% Metal rein - und dieser Wunsch wurde mir erfüllt! Teils war ich doch froh das ich im Bühnengraben sitzen durfte, denn was bei dem Gig wieder an Körpern über die Absperrung flog war nicht normal. So rannte ein „junger“ Bodom Fan (ich schätze ihn mal so auf 16) geschätzte 15 Mal an mir vorbei. Die Bodoms starteten mit einem netten finnischen Intro, das mich stark an Elekäläiset erinnerte; es mag aber auch die Punkband von COB-Fronter Alexi gewesen sein.

Was danach kam konnte man mit einem tierischen Gemetzel vergleichen. Die Setlist setzte sich aus allen bisherigen Alben zusammen – ob „Bodom after Midnight“, „Evertime I Die“, „Lake Bodom“, „Needled 24/7“ oder „Hatecrew Deathroll“, um nur einige der gespielten Songs zu nennen, es war im Endeffekt für jedes Fanalter und jeden Fan etwas dabei.
Dazu kamen natürlich noch die Standardsoloparts, das altbekannte Keyboard vs. Gitarre-Spiel und natürlich ein äußerst nettes Drumsolo.
Des weiteren sollte man vielleicht noch die Licht- und Bühneshow erwähnen, die durchaus zu gefallen wusste, wer braucht da bitte sehr noch Adler und Roboscorpione? Das COBHC-Zeichen rockt in meinen Augen jedenfalls mehr, in Verbindung mit den Feuersäulen aus den Ölfässern wirkte das doch sehr cool.
Für mich auf jeden Fall die beste Band des Wacken Open Airs 2006.
[BT]

Celtic Frost
Es wird wohl so einige Festivalbesucher gegeben haben, die mit dem Namen Celtic Frost überhaupt nichts anfangen konnten. Klar, den Namen hat man vielleicht irgendwann schonmal gehört, aber leben die wirklich noch?
Die Antwort – Ja, die leben noch, und wie! Mir und dem Rest der Besucher war dies jedenfalls sehr wohl bekannt, denn bereits ein knappes Stündchen vor planmäßigem Anpfiff staute sich die Menschenmenge vor der Blackstage bis zu den Freßbuden hin. Also noch eben ein kaltes Getränk gebunkert und ein wenig nach vorn durchgearbeitet - aber kurz vor dem Technik-Turm war dann auch schon wieder Schluß mit der Platzsuche, denn Tom G. Warrior und seine Mannen betraten die Bühne und lieferten - zu meiner Freude- erstmal ein paar Klassiker ab.
Die Lightshow setzte das ganze dann noch richtig in Szene und auch der Sound war mehr als okay, auch wenn er manchmal ein wenig "vom Winde verweht" wurde. Nach "Into the Crypt of Rays" und "Circle of the Tyrants" konnte ich also einen weiteren Punkt auf meiner "will-ich-unbedingt-noch-sehen-bevor-ich-verrecke"-Liste abhaken. Außerdem gab’s noch das mächtige „Dethroned Emperor“, „W.H.O“, „Thieves“ oder „Procreation Of The Wicked“.
Die neuen Songs stehen allerdings ganz und gar nicht auf meiner „muss-ich-sehen“-Liste und so verließ ich die Band gegen Ende bereits vorzeitig. Nichtsdestotrotz, ein genialer, begeisternder Aufrtitt der Schweizer.
[AO]
Amon Amarth
Müde, erschöpft, aber noch sind wir unter den Lebenden, um uns zum Abschluss auch noch die Schweden Amon Amarth anzusehen. Um 2 Uhr Nachts betreten die Melo-Viking-Deather die Bühne, um uns leider zuerst einmal mit schwachem, leisen Sound zu überraschen – das gleiche Spiel also wie ein Jahr zuvor auf dem Party.San, und mir zur Erinnerung, warum ich diese Band eigentlich nur noch bei Hallenkonzerten anschauen wollte, wo sie mir vor zwei Jahren durch enorm druckvollen, alles zerstörenden Sound aufgefallen waren.
Ansonsten spulten Amon Amarth ihre gewohnte Show ab, aufgelockert durch eine Wikinger-Kampfszene – lang, actionreich, die Funken fliegen beim Aufeinandertreffen der Klingen, und die Übersicht hatte dank der Leinwand nicht zu leiden.
Auch songtechnisch propellerten sich die Herren wieder einmal durch eine tolle Setlist – ob „Masters Of War“, „Bastards Of A Lying Breed“, „Fate Of Norns“, das geniale „Pursuit Of Vikings“ oder für mich der brilliante neue Song „Runes To My Memory“, ein toller Song folgte dem anderen. Zum Ende hin gab es dann noch „Victorious March“ und „Death In Fire“, sprich die beiden Bandhymnen schlechthin. Trotz des eher schwachen Sounds endete der Gig in toller Stimmung, die auf mich aufgrund der soundtechnischen Probleme und wohl auch der Uhrzeit nicht überspringen wollte.
[JG]
Metal Church
Samstag Mittag, 12 Uhr, für manchen noch etwas früh nach den Anstrengungen der vergangenen Tage, aber Metal Church riefen, und das Publikum folgte bereitwillig zur Party Stage, sich der wieder einmal strahlenden Sonne zu stellen.
Ich hatte mich schon im Vorfeld auf die alten Herren aus der US-Metropole San Francisco gefreut. Metal Chruch sind ja immernoch ein Garant für guten US Power Metal der alten Schule. Und ich als alter Hase im Heavy Metal wollte mir die Show natürlich nicht entgehen lassen. Und so pilgerte ich also 20 Minuten vor Beginn in Richtung der Bühnen.
Doch trotz dieser für ein Festival ziemlich frühen Uhrzeit hatte sich schon eine beachtliche Zahl Zuschauer versammelt, bereit an diesem letzten Wackentag auch die letzten, noch aufgesparten Kräfte zu verausgaben. Manch einer signalisierte zwar mit seinem Gesichtsausdruck und der Körperhaltung dass er eigentlich schon gar keine Kraft mehr hatte, doch er stand und ließ sich auch den folgenden Mittagsgig nicht entgehen.
Kurz nach 12:00 Uhr stürmten dann auch die US Boys die Bühne und wurden mit auch gleich lautstark begrüßt. Die Sonne schien, die Fans waren guter Laune und auch die Mannen um Ronny Munroe waren in bester Verfassung und hatten sichtlich Spaß am Auftritt. Wen wundert es bei den Bedingungen an diesem Mittag.
Gespielt wurden hauptsächlich Titel der älteren Alben. Am Start waren Titel wie: "Ton Of Bricks", " Gods Of Second Chance", "Start The Fire", "Watch The Children Pray" und auch vom neuem Album gab es was zu hören, ebenso wie das Carcass-Cover „Heartwork“ nicht fehlen durfte.
Besser könnte ein Metal Church Auftritt nicht sein! Oder doch? Ja könnte es, ich hätte mir die Jungs lieber auf der großen Bühne angeschaut aber dieser Auftritt tröstete mich auch über diesen unerfüllten Wunsch. Eine super gelaunte Band, Fans in bester Partylaune und sommerliche Temparaturen! Metalherz was willst Du mehr! Ein herzliches Danke an Metal Church!
[ST]
Arch Enemy
Wenn bösartiges Grunzen aus zarter Frauenkehle tönt, dann ist entweder mal wieder ein Exorzismus fällig, oder Arch Enemy stehen auf der Bühne. Neben Rachel Klosterwaard ist Angela Gossow die wohl berühmteste "Grunzfrau", die dann auch hier zum Konzert rief - und wenn man mit so einer Stimme gerufen wird, dann kommt man besser.
Mein Tag begann also mit Arch Enemy, die hauptsächlich neueres Material spielten. Bis in die hinteren Reihen wurde gefeiert, allerdings war man sich bei einigen Fans nicht mehr so ganz sicher, ob sie nun wegen der Musik anwesend waren, oder doch eher wegen gewisser optischer Reize. Vor allem ein paar betrunkene Finnen machten mit Rufen wie "Show your boobs!" klar, daß ihnen die Musik herzlich egal war.
Der geneigte Fan jedoch, der abgesehen von Frau Gossows Reizen auch auf die Musik achtete, merkte: Da spielt keine Band, die man sich nur wegen dem Überraschungsfaktor „growlende Frau“ ansieht, sondern eine melodische Death Metal Band, die sich auch im Vergleich zu „normalen“ Bands dieses Genres im obersten Feld steht. Und dementsprechend selbstbewusst tobt sich der charismatische Fünfer durch ihr Set – sei es der Opener „Nemesis“, das atmosphärische „Dead Eyes See No Future“, das starke „Ravenous“, das wundervoll aggressiv heruntergezockte „Dead Bury Their Dead“, die aktuelle Single „My Apocalypse“, „Burning Angel“ oder der natürlich unverzichtbare Mitsingklassiker „We Will Rise“ zum Abschluss des Auftritts, das Publikum fraß der schwedisch-deutschen Band aus der Hand und bangte, moshte und gröhlte sich durch die volle Spielzeit als gäbe es kein Morgen (zumindest in Sachen Wacken gab es ja abgesehen von der Heimfahrt keines).
Die Soundprobleme gerade zu Beginn des Gigs waren zwar katastrophal, doch das kann der Band, die einen absolut starken Auftritt ablieferte, nicht vorwerfen. Dass in Wacken einiges verbesserungswürdig ist dürfte klar sein, worauf aber zu Ende des Berichts noch eingegangen werden soll.
[AO]
Fear Factory
Seit über 10 Jahren gibt es Fear Factory, längst haben sie sich einen großen Namen erspielt, doch nach Wacken hatte es sie bisher nie verschlagen – bis 2006 eben, und dass dieser Auftritt längst überfällig war zeigt die große Resonanz des Publikums, denn schon vor Beginn der Show war der Platz vor der True Metal Stage gerammelt voll.
Leider ist auch diesmal der Sound wieder nicht das wahre, wovon viel Stimmung verloren geht. Die großen Fans der Band allerdings feiern ihre Helden zu „Edgecrusher“, „Cyberwaste“, „Archetype“, „Obsolete“ oder „Linchpin“. Und auch der Klassiker „Replica“ darf natürlich nicht fehlen.
Schade um eine gute Band, die vom schwachen Sound sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.
[JG]
Morbid Angel
Samstag 16 Uhr, Black Stage – ein Pflichttermin für mich als Fan des US Death Metal! Um kurz nach 16:00 Uhr sollten die Jungs von Morbid Angel ihr Bestes geben. Mit großer Vorfreude hatte ich mich zur Bühne begeben, musste aber später leicht entäuscht feststellen, dass das Konzert der Jungs und Trey Azagtoth nicht das Gelbe vom Ei war. Die Songauwahl war zwar unangreifbar, doch einmal mehr machte der schlecht abgemischte und viel zu leise Sound den Zuhörern und wohl auch der Band einen Strich durch die Rechnung..
David Vincents Stimme erklang nur leise, der Gitarrensound klang lediglich dumpf und auch die Lautstärke ließ zu wünschen übrig - man konnte sich jedenfalls während des Konzertes problemlos mit seinem Nachbarn unterhalten.
Wie schon erwähnt war jedoch die Playlist der Jungs vom feinsten – wies sie doch sowohl alte als auch neue Stücken auf: "Pain Divine", "Fall From Grace", "Prayer Of Hatred", "Angel Of Disease" oder auch „Lord Of All Fever And Plague“ sowie „Chapel Of Ghouls“, jeweils vom Debut „Altars Of Madness“, erfreuten den Fan, und Songs aus der "neueren“ Zeit wie das von den Alben "Heretic" oder „Gateways Of Annihilation" stammende Material komplettierten ein tolles Set. Auch der Hit „Where The Slime Live“ darf da natürlich nicht fehlen. Hätte Wacken sein Tontechnik-Problem inzwischen in den Griff bekommen hätten Morbid Angel wohl alles plattgewalzt, so bleibt ein leicht schaler Nachgeschmack trotz einem tollen Konzert.
Neben dem Sound ein großes Manko war allerdings David Vincent selbst, der es sich nicht nehmen ließ, ein paar abfällige Bemerkungen zu den Israelis von Orphaned Land zu machen. Von mir dafür ein extra großer Minuspunkt. Man sollte nicht mit solchen Leuten in einer Band spielen, egal wie gut diese auch in ihren Fachgebieten sein sollten.
[ST]
Orphaned Land
Garantiert unter den außergewöhnlichsten Künstlern des Festivals waren Orphaned Land, die aus dem Nahen Osten (Israel) angereist waren. Ihr stark orientalisch inspirierter Doom-Death glänzte nicht nur durch seine besagte Außergewöhnlichkeit, da solche Musik im Metal ja nun wirklich nicht häufig zu finden ist, sondern transzendierte dieses Gimmick indem er einfach gut war. Sehr kräftig, stellenweise sehr Roh, andererseits aber wunderbar komponiert und stellenweise wunderbar durchdacht und harmonisch abgestimmt. Nicht nur das, auch live konnte die Band den Eindruck den ich mir schon bei vorhergegangenen Liveshows gemacht hatte erhärten - nämlich dass diese Musik einfach Spaß macht. Das Hauptaugenmerk lag dabei bei Songs des gefeierten „Mabool“-Albums, und gerade der Hit „The Storm Still Rages Inside“ wusste wahrlich zu begeistern.
Für mich zweifellos das Topkonzert des Festivals, die ganz großen können sich von der Energie und Lust dieser Band ruhig ein paar Scheibchen abschneiden!
[DG]
Gamma Ray
Genug geknüppelt, auch in Wacken kommt die Zeit für fröhliche, majestätische und helle Klänge – an diesem Nachmittag in Form von Gamma Ray. Nachdem ich vor zwei Jahren von Helloween trotz der Teilhabe von deren Ex-Sänger Kai Hansen, der nun mit seiner Band Gamma Ray auf der Bühne stand, maßlos enttäuscht worden war (grottenschlechter Sound, reine Langeweile und mein Anti-Sänger schlechthin, Andy Deris, hatten dazu geführt dass ich selbst Kult-Klassiker des noch tollen ersten Albums „Walls Of Jericho“ teils erst nach der Hälfte des Songs erkannte), hatte ich mich doch entschieden, Gamma Ray eine Chance zu geben. Auch wenn meine Zeit der Power Metal-Verehrung mittlerweile lang zurückliegt und ich mich längst härteren Klängen angeschlossen habe, eine seiner ersten Metalbands überhaupt vergisst man nicht, und so stand ich pünktlich und gespannt vor der Bühne.
Erfrischend fröhlich geht es da zu, und altbekannt verbreitet Herr Hansen mit seinem breiten Strahlen und der offensichtlichen Freude am Musik machen schnell gute Laune. Die neue Scheibe war leider absolut nicht mehr mein Ding, und so geht es für mich zum Glück auch mit „Gardens Of The Sinner“ von der „Land Of The Free“ los, wovon es nach „New World Order“ mit „Men On A Mission“ gleich noch einen Song gibt. Es folgt der Klassiker „Rebellion in Dreamland“, in den als Tribut an Helloween „I Want Out“ eingebaut wird. Auch „Somewhere Out In Space“ „Fight“ vom neuen Album kann das Publikum begeistern, „Heavy Metal Universe“ wird bis zur Heiserkeit von den Fans der Band mitgebrüllt.
Mir fehlte zwar die große Begeisterung, aber das lag wohl schlicht und ergreifend daran dass diese Musik einfach nicht mehr so das meine ist. Dennoch ein richtig guter Gig von gut gelaunten, spielfreudigen Hanseaten, die ihren Fans sicherlich einen der besten Gigs dieses Festivals lieferten.
[JG]
Soulfly

Kennt ihr Selpultura ? Oder, lasst mich die Frage anders formulieren, kennt ihr Soulpultura? Denn der Gig von Soulfly erinnerte naturgegeben stark an Selpultura, was sich natürlich vornehmlich in der Songauswahl widerspiegelte. Neben „Roots bloody Roots“, „Chaos A.D.“, „Troops of Doom“ und „Spit" ließen Soulfly natürlich auch genug eigene Songs hören, die sich zum größten Teil auf die großen Hits der Band beschränkten – so warenn dann unter anderem „Execution Style“, „Bring It“, „Babylon“, „Eye For An Eye“ und „Prophecy" zu hören.

Dass Soulfly weiterhin Sepultura-Songs spielen zeigt jedenfalls, das Max Cavalera noch nicht ganz mit seiner alten Band abgeschlossen hat, was den Reunions-Gerüchten tüchtig unter die Arme greifen dürfte. Oder sind Soulfly einfahc nur die neuen, besseren Sepultura?
Den doch recht großen Menge vor der Bühne sind diese Fragen jedenfalls egal, sie feiern Soulfly gehörig ab und lassen im Moshpit ordentlich die Sau raus.
[BT]

Atheist
Das nächste große Highlight für alle Death Metal-Fans waren dann Atheist, die zeitgleich mit Soulfly spielten – für die meisten zum Glück nicht wirklich ein Interessenkonflikt.
Und für viele eine Band, die man einfach gesehen haben muss. Ende der 80er, Anfang der 90er sorgten die Deather für Furore im Death Metal Sektor und erreichten nach Ihrer Auflösung innerhalb der Szene Kultstatus.
Somit konnte ich mir Ihren Auftritt auf der Party Stage natürlich nicht entgehen lassen und war natürlich sehr gespannt was die Jungs noch so drauf hatten, ob ihr Death/Prog-Mix noch immer so gut klingen würde – immerhin sind Atheist ja seit 13 Jahren nicht mehr aufgetreten.
Ich und jeder andere bei diesem Gig Anwesenden wurden dann natürlich nicht enttäuscht. Eine Setlist die keine Wünsche offen ließ und Spielfreude, die die Menge zum kochen brachte. Vertreten waren Songs aus Ihrer kompletten Schaffensphase: "Piece Of Time", „Mother Man“, „Air“, „Retribution“, "Unquestionable Presence" und "Elements" – Songs von jedem Album, und jeder Song wird vom Publikum dankbar und enthusiastisch abgefeiert.
Ein unvergesslicher Samstag Abend für alle Fans des technischen Death Metals. Hiermit ein fettes DANKE an Atheist!
[ST]
Whitesnake
Nun war es an Whitesnake, zu beweisen, dass sie ihren Platz als Headliner auf dem Wacken Open Air verdient hatten. Und das gelang ihnen auf vollkommen!
Sänger David Coverdale präsentierte sich als bestens bei Stimme, was er auch gleich beim Opener „Burn“, einem Deep Purple-Song aus deren Coverdale-Zeiten, eindrucksvoll zeigte. Während sich die Scorpions zwei Tage zuvor als energiegeladene, nie still stehende Rocker präsentiert hatten, zeigten Whitesnake sich eher als routinierte, souverände Rockband, die hauptsächlich durch ihr musikalisches Können glänzte statt durch große Show.
Coverdale präsentierte sich charmant wie immer, der Rest der Band glänzte bei diversen Soli, und das Publikum feierte begeistert Song für Song. Ob „Fool For Your Loving“, „Is This Love“, “Here I Go Again” oder “Ready And Willing”, Whitesnake spielten sich mit viel Freude an der Sache durch ihr Set, das lautstark bejubelt wurde.
[JG]
Emperor

Emperor live – das durfte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, immerhin haben nur wenige Bands derart tolle Alben veröffentlicht wie die Herren um Fronter Ihsan. Daß diese zwar schon ein paar Jährchen alt sind macht ja nichts, Celtic Frost hatten ja auch schon zu begeistern gewusst.
Letztendlich konnte ich mich einiger Enttäuschung nicht erwehren – man kann den Gig beim besten Willen nicht als schlecht bezeichnen, die Setlist ließ nicht zu wünschen übrig, und trotzdem wollten Emperor mich nicht recht überzeugen. Zu lasch, zu unmotiviert wirkte die Black Metal Legende – was allerdings einen Großteil der Fans nicht zu stören schien, der bangte sich jedenfalls die Nacken wund und verausgabte seine letzten Kräfte. 
Der Setlist angemessen war was allemal – ob Songs von „IX Equilibrium“, „Prometheus“ oder „In The Nightside Eclipse“, diese Band hat unübertreffbare Meilensteine der Black Metal-Geschichte veröffentlicht. Ob „In The Wordless Chamber“, „Towards The Pantheon“, „The Loss And Curse Of Reverence“, „With Strength I Burn“ oder “I Am The Black Wizards”, die zahlreichen Emperor-Fans sind begeistert und feiern ihre Helden um den sichtbar beeindruckten und sich mehrfach bedankenden Ihsan. Zum Abschluss gibt es dann „Inno A Satana“, und eigentlich wäre kein Wunsch mehr offen – eigentlich, wäre da nicht der Sound gewesen. Weit vorne mag das ganze ja noch gut geklungen haben, weiter hinten klang das ganze nur viel zu leise und matschig. Danke.
[AO]
Die Apokalyptischen Reiter
Lange hatte ich überlegt, welche Band ich mir wohl ansehen sollte - die Black Metal-Legende Emperor, die sich zwar bei mir nie festgesetzt hatten, aber dennoch definitiv eine tolle Band sind, oder die Apokalyptischen Reiter, bei denen ich mich auf eine super Show verlassen konnte?
Letztendlich entschied ich mich für Emperor, da die Reiter ja bekanntlich des öfteren auf Tour sind, außerdem hatte ich sie erst vor kurzem auf dem Earthshaker gesehen. So stand ich also bei Emperor einige Meter noch vor dem Soundturm und machte mich auf ein Black Metal-Erlebnis der Extraklasse gefasst. Nach fünf Minuten hatte mir der Sound dann allerdings derart die Laune vermiest (das Drumming des ersten Songs erinnerte mich eher an die Love Parade als an eine Metalband) dass ich mich schleunigst auf den Weg zur Party Stage machte, auf der Die Apokalyptischen Reiter schon einen Hit nach dem anderen abfeierten.
Der Band folgt ja schon seit langem ein treuer Fantross, und so konnte man auch in Wacken vor tausenden Zuschauern spielen - was auch hier einmal mehr das Manko dieses Festivals war, die vielen Leute verdarben mir zum wiederholten Mal das Konzert. Dennoch kamen die Reiter bei mir noch besser an als die meisten anderen Bands des Festivals, obwohl die Zuschauermenge für die Party Stage viel zu groß war gelang es der Band, ihre Spielfreude bis in die letzte Reihe zu projezieren und ihre Fans mitzureißen.
Und so gab es einen Querschnitt durch die bisherige Karriere der Thüringer Band, deren Schwerpunkt natürlich auf den letzten drei Alben liegt. Und sowohl das neue "Riders On The Storm", die Hymne "Metal Will Never Die", das fröhliche "Die Sonne Scheint", die Bandhymne "Reitermania", der Hit "Du Kleiner Wicht", das starke "Barmherzigkeit" oder sogar das rasend schnelle Dschingis Kahn-Cover "Dschingis Khan", jeder einzelne Song wird von den Fans lauthals mitgegröhlt; währenddessen wird gehüpft und gepogt was das Zeug hält. Es scheint Crowdsurfer zu regnen, und selbst die hinteren Reihen springen und singen mit.
Mittendrin krönt Dr. Pest mit einem Peitschenschlag den neuen Fanclubvorsitzenden der Reiter, der sich darauf auf der Luftmatraze zur "Ehrenrunde" über das Publikum aufmacht, Luftballons werden in die Menge geworfen, die ein Freikarten-Abo für die kommende Tour enthalten - und nach 70 Minuten ist wohl jeder Anwesende überzeugt, nein, die Reiter werden nicht sterben - "We Will Never Die" aus tausenden Kehlen ist der klarste Beweis dafür.
[JG]
Motörhead
Einer der Gründe, der die alljährliche Pilgerfahrt in Deutschlands Norden zum Pflichttermin machte, waren auf jeden Fall die alten Herren von Motörhead. Eine Band die seit ihrer Gründung viele Generationen prägte und immer noch prägt. Kein Heavy Metal-Fan kommt an diesen alten Hasen herum.
Ich selber hatte leider noch nie die Möglichkeit, die Herren um Lemmy jemals live bewundern zu dürfen, weshalb ich mich natürlich sehr darauf freute, sie auf dem Wacken Open Air endlich erleben zu können.
Leicht verspätet stürmten Lemmy und Motörhead die True Metal Stage und brachten Alt und Jung zum Ausrasten. Die Stimmung rundherum war so ausgelassen wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Junge Hüpfer und Altrocker bangten als gäbe es keinen Morgen mehr (wie bereits erwähnt – es gab ja in Sachen Feiern und Bangen keins ;-) Und selbst wenn man das gewollt hätte, die Kräfte waren doch inzwischen großteils erschöpft).

Im ganzen Publikumsfeld vor der True Metal Stage war Partylaune angesagt und ich selber hätte mir einen Auftritt von Motörhead nicht besser vorgestellen können. Laut, roh, und Lemmy brüllte mal wieder von unten in sein hoch eingestelltes Mikro. Ob „Stay Clean“, „Killers“, „Metropolis“, „Over The Top“, „No Class“, „In The Name Of Tragedy“, „Dancing On Your Grave“, „Born To Lose“, „Sacrifice“, „Ramones“, „Killed By Death“, “Another Perfect Day” – wohl jeder Metalhead ächzt schon beim Durchlesen dieser Songtitel angesichts der Nackenschmerzen, die diese unweigerlich hinterlassen. Auch das Drumsolo gibts wieder zu “Sacrifice”, zu “Killed By Death” bittet Lemmy die Sängerni von Meldrum auf die Bühne, die ihre Vocals beisteuerte, und das Publikum bangt, mosht und gröhlt als gäbe es die Welt außerhalb des Festivalgeländes gar nicht mehr, als gäbe es nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste.
Zum Abschluss werden natürlich noch die Hits „Ace Of Spades“ und „Overkill“ geboten, das nochmal alle Anwesenden mobilisiert und ihre letzten Kräfte fordert. Ein sehr unterhaltsamer Abend mit Mötorhead und auf dass die alten Herren noch viele viele Jahre, Livekonzerte geben werden.
[ST]
Finntroll
Obwohl der neue Sänger Mathias „Vreth“ Lillmåns noch kaum einem ein Begriff ist hat sich eine große Menge feierwütiger Humppa-Fans vor der Black Stage versammelt, bereit, nochmal zu springen, zu moshen und zu gröhlen was das Zeug hält.
Diesmal spielt auch der Sound einigermaßen mit, wodurch nicht einmal die mitreißenden, fröhlichen Keyboardmelodien untergehen. Und so können die Finnen durch eine Setlist voller Hits abfeuern – ob „Hemkomst“, „Jaktens Tid“, der Mitsinghit „Trollhammaren“ oder der tolle Abschlussong „Det Iskalla Trollblod“, die Fans sind begeistert. Ebenso gibt es einige Songs vom neuen, noch erscheinenden Album, die durchaus zu begeistern wissen.
Sänger Vreth jedenfalls ist ein würdiger Ersatz seiner Vorgänger, rein äußerlich werden die meisten allerdings wohl immer an seine doch eher stark gebauten Vorgänger denken.
Ein toller Gig, der keine Wünsche übrig lässt – Finntroll lohnen sich eben immer wieder!
[JG]
Subway To Sally
“Blut, Blut, Räuber saufen Blut” – Nein, noch sind die Kräfte des offensichtlich auch nach teils drei, teils sechs Tagen in Wacken zeltenden Publikums noch nicht erschöpft, und so erklingt immer wieder der bekannte Refrain von “Julia Und Die Räuber” aus tausenden Kehlen, bevor die Band sich auch nur zeigte. Auf sich warten lassen diese allerdings trotzdem nicht, und so werden sie dann auch pünktlich um 2 Uhr Morgens euphorisch von den anwesenden Fans begrüßt.
Subway To Sally bieten zunächst Songs ihres neuen Albums, das mir bisher beim besten Willen nicht gefallen will, und so habe ich auch live wenig dafür übrig. Dennoch, „Schneekönigin“, „Feuerland“ und „Knochenschiff“ scheinen die meisten Anwesenden zu begeistern, gefeiert werden die Mittelalter-Rocker jedenfalls bis zum Umfallen. Die Band dankt es mit Spielfreude und voller Energie – und als dann auch „Kleid Aus Rosen“, „Minne“ und „Henkersbraut“ angekündigt werden, bin auch ich wieder versöhnt. Auch über „Schrei“, „Falscher Heiland“, Das Rätsel II“ und „Die Schlacht“ darf ich mich freuen, bevor „Sieben“ das Set auch schon wieder abschließt. Doch gibt es für die Mannen sowie die Dame um Sänger Eric Fish keine Chance, um einen bestimmten Song herumzukommen – und so besteht die letzte Zugabe denn auch aus „Julia Und Die Räuber“, das nochmal enthusiastisch abgefeiert und aus tausenden Kehlen begleitet wurde.
Ich bin weit davon entfernt, mich einen Fan von Subway To Sally zu nennen, doch tolle Auftritte legt diese Band ein ums andere Mal hin, und spielerisch haben sie auch bei jedem ihrer Gigs nach nur ein bis zwei Songs das ganze Publikum in der Hand.
[JG]
Und so fand nun das Wacken Open Air sein Ende, manch einer schwankte müde zu seinem Zelt, manch einer schlief als Fahrer schon seit einiger Zeit den Schlaf der Gerechten, und noch viele mobilisierten ihre letzten Kräfte in Form einer Abstandsparty.
Am nächsten Tag hieß es dann, alles zusammenzupacken und ab nach Hause – für viele Jahr für Jahr ein wehmütiger Moment, da man viele der dort Anwesenden eben nur einmal im Jahr sieht, eben auf dem Wacken Open Air. Und auch wenn manchem die Musik auf anderen Metalfestivals mehr liegt oder die großen Menschenmengen ihm die Auftritte der Bands vermiesten, dieses Festival im Norden Deutschlands hat einen besonderen Zauber, den die meisten doch Jahr für Jahr genießen und nur sehr ungern für ein Jahr missen.
Als Fazit bleibt mir nur noch ein Apell an die Festivalleitung:
Der Sound war teilweise unterirdisch schlecht, aber hier gehe ich davon aus dass das den Veranstaltern selbst klar ist und sie daran arbeiten werden. Viel wichtiger ist da die in diesem Jahr katastrophale Platzaufteilung – schon vor den beiden Hauptbühnen war es teilweise zu voll, als dass man das Konzert noch hätte genießen können, und im hinteren Teil der Menge war schon hier die Musik oftmals viel zu leise.
Die Party Stage platzt inzwischen aus allen Nähten und bedarf dringend der Vergrößerung – zu viele wollten die dort spielenden Bands sehen, wer da noch kurz zuvor eine Band auf der True Metal Stage gesehen hatte und sich erst kurz vor Beginn des jeweiligen Auftrittes zur Party Stage begab, hörte bei Auftritten auf dieser kleinen Bühne meist großteils die von der Black Stage herüberwehende Musik.
Auch das Zelt war teilweise furchtbar überfüllt, gerade Bands wie Transilvanian Beat Club oder v.a. Vreid hätten ihren Platz auf der Party Stage angesichts der Zuschauermassen auf jeden Fall verdient gehabt.
Vielleicht sollte man hier darüber nachdenken, auf den beiden kleinen Bühnen auch entsprechend kleine Bands spielen zu lassen – doch das bisher feststehende Billing für Wacken 2007 zeigt keinesfalls ein Umdenken, sondern vielmehr den Wunsch nach weiterer Vergrößerung des Festivals. Für viele verfliegt dabei der Flair beim Ansehen „seiner“ Bands, wenn er sich diese über Zehntausende Köpfe hinweg ansehen muss – es bleibt nur zu hoffen dass das Wacken Open Air dieses Jahr endlich wieder mit den spielenden Bands wächst. Ansonsten wird 2007 wohl das Chaos warten.
Dennoch – wir kommen wieder, und sei es nur wegen den amüsanten Begegnungen auf dem Campingplatz, dem friedfertigen, aufs Feiern orientierten Charme des Campgrounds oder einem bestimmten Weihnachtsbaumverkäufer!
All Pics by Birger Treimer/FallenUnicorn
Impressionen Vom Wacken Open Air

Article by: Gawain
Article Date: 31.12.2006 |
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