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Hellflame Festival, 17. September 2005 im Eventcenter B51, Osnabrück Georgsmarienhütte.
Zu Recht trug dieses eintätige kleine Festival den Namen Hellflame, denn für den fairen
Preis von 20€ bekam man ein Top-Billing, direkt aus der Hölle. Das ganze fand im
"Eventcenter B51" (Ex-Dütehalle) in Osnabrück-Georgsmarienhütte statt, einer der besten
Konzerthallen, die ich kenne: sehr geräumig, große Bühne, genug Parkplätze, top Akustik und
für Konzerte ziemlich humane Getränkepreise (2€ á 0,33). Was mich dieses mal ein wenig
überrascht hat, war das unnötige Wertmarkensystem, man mußte für 1 Cola z.B. 2 Wertmarken +
1€ (nicht als Wertmarke) für den Becherpfand zahlen, wodurch, aufgrund von totaler
Konfusion, unnötige Wartezeiten entstanden. Nun aber zum Konzert selbst:
Den Opener machten Misery Speaks aus Münster, Melo-Death mit Thrash Einflüssen, die
eigentlich jedem, aus Münster und Umgebung kommenden, mittlerweile ein Begriff sein sollten.
Blickt man in ihren Terminkalender, so findet man eigentlich jeden Monat einen oder mehr
Auftritte und die Bühnenerfahrung macht sich bezahlt. Man lieferte, bei gutem Sound und
miesem Licht, eine sehr gute Performance, die auch von den 20-30 Leuten, welche sich
mittlerweile in der Halle befanden gebührend gefeiert wurde. Ein wenig störend empfand ich
allerdings, daß der Veranstalter sich ungefähr beim 3. Song entschied noch eben ein paar
Absperrungen vor die Bühne zu stellen. So etwas sollte vorher erledigt, oder ganz
weggelassen werden.
Bei Nebelheer waren es dann schon ein paar mehr Leute vor der Bühne, trotz der Tatsache, daß
man von einer Live->Performance< kaum sprechen konnte. Sie waren da. Sie spielten ihre
Instrumente. Der Sänger sang noch dazu. Das war's aber auch schon. Seinen Drang durch die
Gegend zu laufen, lebte er dann jedoch nach seinem Auftritt aus, ich habe irgendwann
angefangen und irgendwann auch wieder aufgehört zu zählen, wie oft er mir über den Weg lief,
aber es müssen mehrere Millionen mal gewesen sein. (mindestens!) Würde er diese Energie mit
auf die Bühne bringen, würden Auftritte von Nebelheer um einiges interessanter werden.
Als nächstes sollten Anorexia Nervosa, fünf Pandabären aus Frankreich, die Bühne entern, um
den Leuten mit symphonischen Black Metal einzuheizen. Was dann aber auf der Bühne stand, sah
anders aus und hörte sich anders an. Vier grimmig dreinschauende Gestalten standen plötzlich
vor mir und der Typ ohne Haare fing ohne Umschweife an ordentlich ins Mikro zu brüllen. Lost
Soul aus Polen also hatten mit Anorexia Nervosa den Platz auf der Running Order getauscht,
warum, weiß ich nicht, war aber auch egal. Die Band war sichtlich gut drauf und verstand es
dem Publikum einzuheizen. Selbst diejenigen, die sich nicht mit Haare schütteln vor der
Stage verausgabten, konnten ein leichtes Nicken ihrer Köpfe nicht unterdrücken. Und so
führte mich mein nächster Gang (nachdem die Band "fertig hatte") zur Theke und dann an die
frische Luft auf den Schotterparkplatz, wo selbst die Frittenbude mittlerweile auf
Wertmarken umgestiegen war.
Man kam sich ein bißchen vor, wie auf dem Wacken, es liefen überall Metaller rum, man hörte
von drinnen den Soundcheck, mit Nieten bestückte Leute aßen Erdbeerjoghurt mit
Knusperflakes, den sie in einer Kühltasche mitgebracht hatten und aus jedem 3. Auto tönte
Musik. Hin und wieder stolperte ein Betrunkener an einem vorbei und selbst ein rollendes
Liebesmobil, ein Transporter mit Matratze hintendrin (urst häßlich, aber verflucht
praktisch) stand mittlerweile auf dem Parkplatz und seine Insassen bereiteten sich unter
rosafarbenem Licht auf die Nacht vor. All dies ließ mich doch Glatt den Anfang von Anorexia
Nervosa verpassen, was mich ärgerte, schließlich hatte man mir ja gesagt, die Band sei gut
(Gruß an die Konkurrenz). Die Band war wirklich nicht schlecht, allerdings hätte ich mir den
Anblick sehr gut sparen können. Ist Corpsepaint in Verbindung mit schwarz-rotem Latex
wirklich Black Metal? Kleiner Tipp: Laßt euch nie von einem Franzosen einkleiden, ihr würdet
darunter leiden. Und wenn nicht ihr, dann eure Mitmenschen.
Mein persönlicher Hauptact des Abends, schon immer toll gefunden, noch nie live gesehen,
entweder weil zu weit weg, oder weil zu faul gewesen, stand nun an. Aus Griechenland kamen
Rotting Christ und brachten und melodischen Black Metal vom feinsten mit. Bei sehr gutem
Sound (den bisher übrigens alle Bands hatten) und mittlerweile auch gutem Licht lieferten
die Griechen eine perfekte Show. Ein Set voller Klassiker (In Domine Sathana, After Dark I
Feel, King of a Stellar War) ließ die Menge (gut, es war nicht sonderlich voll, aber
immerhin...) die Band feiern und man sah der Band an, daß ihnen dieser Auftritt Spaß gemacht
hat.
Eine Konzentration von T-Shirts mit Motiven aus dem 2. Weltkrieg ließ einen schon vermuten,
wegen welcher Band die Mehrheit offensichtlich gekommen war. Und ja, es war voller vor der
Bühne, voller als bei den Bands zuvor, als Wachtfels & Co die Bühne betraten. Ich muß sagen,
daß ich Endstilles Musik mag, sie allerdings noch nie live gesehen hatte. Insgeheim wünsche
ich mir nun, daß es dabei geblieben wäre. Fans, die sich vorn gegenseitig halb totquetschen,
bloß um dem Sänger die Hand zu geben...das erinnert doch ein wenig an...an Boygroups und
deren Groupies oder? Musikalisch gesehen hat die Band das gebracht, was man erwartet hatte,
dezenten Black Metal, auch wenn die Drums anfangs schlecht abgemischt waren. Showtechnisch
brachte uns Iblis mehr, nämlich eine Mischung aus "Barney" Mark Greenway, Gene Simmons und
Abbath. Er zitterte mit dem Kopf, als hätte er einen epileptischen Anfall, poste wie Abbath
zu seinen besten Zeiten und stellte mit seiner Zunge Dinge an, die selbst Kiss Fans
beeindruckt hätte, das ganze begleitet von einem seltsamen Grinsen, das mit dem Corpsepaint
einfach nur lächerlich wirkte. CDs werde ich mir auch in Zukunft noch kaufen, live Auftritte
werde ich mir allerdings sparen.
Death 'n' Roll stand auf der Speisekarte und serviert wurden Entombed. Von den CDs war ich
bisher nicht sonderlich begeistert gewesen, also entschied ich mich, mir 3-4 Songs anzuhören
und dann zum Auto zu gehen um etwas zu essen. Nach dem ersten Song entschied ich mich, das
ganze auf "nach Entombed!" zu verschieben. Der Sänger war gut drauf, ob das nun daran lag,
daß er offensichtlich voll bis obenhin war, oder nicht, sei dahingestellt. Das gerade stehen
bereitete ihm ein paar Schwierigkeiten, deswegen rannte er einfach konstant irgendwo auf der
Bühne herum und brüllte sich dazu die Seele aus dem Leib, was im Gegensatz zum gerade
Stehen, noch hervorragend funktionierte. Zwischen den Songs gönnte sich "L-G Petrov" dann
auch noch das ein oder andere Bierchen, oder auch mal einen Wodka. Von der Bühne ist er aber
erstaunlicherweise nicht gefallen, es reichte sogar noch für eine Zugabe, durch die der
Zeitplan, der bisher penibel eingehalten worden war, komplett durcheinander geriet.
Mit fast halbstündiger Verspätung traten dann Eisregen an, die anfangs leider einen ziemlich
miesen Sound hatten. Insgesamt viel zu leise (ich konnte einen Typen, der 3 Meter weit
wegstand, mitpfeiffen hören) und breiig. Los ging es mit Songs vom Wundwasser und Zerfall
Album, wo sich der Sound dann allmählich besserte, die Gitarren klangen trotzdem noch zu
breiig. Nach den Songs "Tausend tote Nutten" und "Elektrohexe" war es dann endlich so weit.
0:00 Uhr. Die "ab-18" Songs konnten endlich gespielt werden und begonnen wurde hier mit
"Meine tote russische Freundin" Die Show von Eisregen bestand aus der (wenn sie gerade nicht
spielte) mittanzenden Geigerin und dem Zigarette rauchen seitens Herrn Roths. Nichts
besonderes, trotzdem wurde die Band gut bejubelt. Fast schon so gut wie Endstille zuvor. Es
bildeten sich gar Sprechchöre, die "Krebskolonie" forderten, was in Deutschland live nicht
gespielt werden darf...gespielt wurde daher zum Schluß "13".
Vader werden bei mir langsam schon zur Routine, fünf mal bereits gesehen, fünf mal toll
gefunden und fünf verfluchte male haben sie "Raining Blood" nicht gespielt!! Alle erzählten
mir immer wieder, wie toll das Cover doch sei und, daß sie das eigentlich "jedes mal
spielen". Verdammt, würde ich schlechte Laune haben, wenn sie sich heute Abend wieder mal
weigern würden. Aber es sah gut aus, Peter, Mauser, Novy und Daray schienen gut gelaunt zu
sein, auch wenn sich bereits viele der Zuschauer auf den Heimweg gemacht hatten. Diejenigen,
die noch da waren, moshten allerdings was das Zeug hielt zu Songs wie "Cold Demons",
"Wings", "Dark Transmission" und "Dark Age". Und nach einem leider verkürzten Gig, um
pünktlich Schluß zu machen, gab es dann endlich die lang ersehnte Zugabe. "Raining Blood" -
ja wirklich ein gutes Cover, aber mehr auch nicht. Ich persönlich hätte lieber noch "The
Code" gehört, aber was soll's, trotzdem wieder einmal ein genialer Auftritt.
Insgesamt war das Hellflame Festival gut durchorganisiert, der Sound war bis auf kleinere
Probleme sehr gut und auch das Lineup war gut abgestimmt und für den Preis top. An alle, die
nicht da waren: Ihr habt etwas verpaßt.
(ohne Worte...)
(ao)
Article by: Bolli
Article Date: 18.9.2005 |
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